Zwei Wochen mit der Pebble Time – Ein Fazit

in Technik

Gerade einmal 35 Tage hat es gedauert, bis Pebble bei Kickstarter nicht nur, zum zweiten Mal, einen neuen Rekord, sondern auch fast 22,4 Millionen Dollar für seine neue Smartwatch, die Pebble Time bzw. die Pebble Time Steel eingesammelt hat.

Pebble darf wohl durchaus als Pionier für Smartwatches im Consumer Bereich gehandelt werden. Damals noch mit der wenig hübschen original Pebble, über die schon hübschere Pebble Steel bis hin zum neuen Modell. Ich habe lange überlegt, ob ich mich an der Kampagne beteiligen sollte, schließlich gibt es keine offizielle Unterstützung für Windows Phone, was den ohnehin fraglichen Nutzen einer Smartwatch natürlich relativiert.

Doch das Konzept interessierte mich, gerade als Entwickler, und ein schönes Spielzeug ist es sowieso. Als dann kurz vor Ende der Kampagne mehrere ‚völlig enttäuschte‘ Unterstützer absprangen, konnte ich schließlich einen der begehrten Early Bird Plätze ergattern und bestellte also eine weiße Pebble Time.

Meine Erwartungen waren gemischt. Ein Gehäuse aus Plastik, ein E-Ink-Display, ein relativ schwacher Prozessor. Die Pebble würde keine Konkurrenz für die diversen Android Wear Geräte oder die Apple Watch darstellen. Und doch hat sie ihre eigene, völlig verdiente Nische.

Nach mehreren Monaten Ruhe ging alles ziemlich schnell. Am 13. Juni bekam ich die Versandbenachrichtigung, zwei Tage darauf klingelte der Postbote. Zunächst ein paar Bilder zum Unboxing:

Viel ist zugegebenermaßen nicht in der Verpackung – und das ist auch gut so. Neben der Pebble selbst finden sich darin lediglich ein Ladekabel und die obligatorischen zwei Kurzanleitungen. Kein unnötiger Schnick-Schnack – das mag ich.

Natürlich wurde sie sofort ausgepackt und – erstes Problem: Um weiter als bis zum ersten Setup-Screen zu kommen, benötigt es die Pebble Time App für iOS und Android. Also, Verbindung zum iPad hergestellt und es konnte weitergehen. Nach einem initialen Update und der Erlaubnis, Benachrichtigungen weiterleiten zu dürfen, ist die Pebble auch schon einsatzbereit.

Erster Eindruck

Entgegen meiner Erwartungen fühlt sich die Pebble Time sehr hochwertig an und trägt sich sehr angenehm. Das Silikonarmband reibt nicht und bei der momentanen Wärme schwitzt man auch nicht sonderlich darunter. Ich hatte ein paar Bedenken bei dem weißen, leicht angerauten Gehäuse, was Verschmutzungen anbelangt. Nach zwei Wochen täglicher Nutzung kann ich da Entwarnung geben. Natürlich sieht man leichte Verschmutzungen darauf, aber bei weitem nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt hatte. Dafür haben sich das Displayglas und der umliegende Metallrand als hervorragende Fingerabdrucksammler erwiesen. Die raue Oberseite wie auch die polierte Schnittkante des Metallrings ziehen Abdrücke und Schlieren geradezu an. Kratzer habe ich dagegen noch keine finden können, daher auf jeden Fall ein Daumen hoch für die sehr wertige Verarbeitung.

Das Display

Kommen wir nun zum Herzstück jeder Pebble, zu ihrem Display. Die Pebble Time setzt, wie auch ihre Vorgänger, auf ein E-Ink-Display, ähnlich wie es in E-Book-Readern zu finden ist, diesmal allerdings in einer farbigen Version. Die Produktbilder versprachen kräftige Farben, hohe Kontraste und ein durchaus helles Display. Leider ist die Realität dann doch recht enttäuschend. Das Display der Pebble Time ist farbig, ja, aber viel zu dunkel. In geschlossenen Räumen bzw. bei weniger Licht sind die Farben nur schwer zu differenzieren und die blaustichige, ebenso zu dunkle Hintergrundbeleuchtung ist ehrlich gesagt ein Witz. Auch die Farben sind bei weitem nicht so ausdrucksstark und leuchtend, wie es die Werbefotos versprochen haben. Hier also ganz klar Punktabzug.

Der Akku

Dennoch ist das Display auch der große Pluspunkt der Pebble, denn es verhilft ihr zu einer erstaunlichen Laufzeit. Pebble selbst wirbt mit sieben Tagen ohne Ladekabel. Natürlich sind das Idealangaben, aber ich muss sagen, ich komme da sehr nah ran. In den vergangenen zwei Wochen habe ich die Uhr, vom initialen Laden, nur zwei Mal an der Steckdose gehabt, was dank dem magnetischen Stecker sehr leicht von Statten geht und in etwas über einer Stunde erledigt ist. Da das Display nur bei Bildwechseln bzw. wenn die Beleuchtung aktiv ist Strom verbraucht und noch dazu kaum Hintergrundprozesse auf der Uhr laufen, ist ihr Energieverbrauch natürlich bei dauerhaft aktivem Display weitaus geringer, als der ihrer Kollegen aus den Häusern Google und Apple.

Die neue Timeline UI

Viel wurde über die neue Software mit ihrer so genannten Timeline UI. Mit den Aufwärts- und Abwärts-Buttons kann der Nutzer durch seine Termine navigieren – nicht nur in die Zukunft sondern auch in die Vergangenheit. Dabei bietet die neue Pebble Software eine Schnittstelle für Drittentwickler, um eigene Ereignisse in diese Zeitleiste zu bringen. Viel Potenzial – aufgrund der noch nicht vorhandenen breiten Verfügbarkeit der Pebble Time gibt es aber bis dato noch nicht viele Anwendungen.

Die neue Oberfläche mit ihren vielen Animationen ist zweifelsohne verspielt, macht aber Spaß und ist angenehm zu nutzen. Das Menü ist klar strukturiert und die Navigation ist logisch.

Apps und Watchfaces können, nach vorheriger Installation über die App, direkt auf der Uhr gestartet werden. Dabei legt Pebble viel Wert darauf, dass die Pebble Time kein App-Limit mehr hat, wie die Vorgängermodelle, auf denen maximal acht Apps Platz fanden. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die verschiedenen App und Watchfaces werden nur zum Teil auf der Uhr direkt gespeichert. Eine Handvoll der meistgenutzen Apps und Watchfaces befinden sich direkt auf der Uhr und können sofort gestartet werden. Alle anderen sind nur als Verknüpfungen vorhanden und werden beim Start vom Handy geladen.

Apps und Watchfaces gibt es bereits jede Menge und es kommen stetig neue, vor allem farbige, hinzu. Qualität und Design sind dabei sehr unterschiedlich, ein paar besonders schöne Watchfaces werde ich demnächst einmal vorstellen.

Zu den Apps habe ich ein eher gespaltenes Verhältnis. Das Display der Pebble ist verhältnismäßig klein, Apps haben also nicht allzu viel Platz, um Informationen darzustellen. Neben Unmengen mehr oder weniger sinnvollen Apps gibt es auch bekannte Größen wie Evernote. Für mich macht es nicht viel Sinn, auf dem kleinen Display kompliziert durch die eigenen Notizen zu navigieren, aber das kann jeder für sich selbst entscheiden. Auf meiner Pebble befindet sich momentan eine einzige App – Flappy Bird 😉

 Benachrichtigungen

Kommen wir zum für mich wichtigsten und letztendlich kaufentscheidenden Punkt – den Benachrichtigungen. Für mich hat eine Smartwatch genau zwei Nutzen: Ich kann das Ziffernblatt gestalten und tauschen, wie ich es möchte und ich bekomme alle Benachrichtigungen vom Handy auf das Handgelenk. So kann ich schneller entscheiden, ob die Nachricht wichtig ist und ich das Handy aus der Tasche holen muss, oder eben nicht.

Nun ist diese Funktion als Windows Phone Nutzer natürlich noch nicht wirklich nutzbar. Eine neue App ist zwar bereits in Entwicklung, aber da sich das komplette Kommunikationsprotokoll gegenüber der Vorgängerversion geändert hat, ist der Fortschritt dabei sehr langsam. Durch die Verbindung zum iPad bekomme ich zumindest einen Teil der Benachrichtigungen, die tagtäglich so eintrudeln, aber auf Dauer ist das natürlich keine Lösung. Ich hoffe aber weiterhin auf Greg Banta und seine neue App, oder aber auf das Project Astoria, dass mit Windows 10 Mobile Einzug halten wird und es ermöglicht, Android Apps auf Windows Phone auszuführen.

Zusammenfassung

Ist die Pebble Time ein Apple Watch Killer? Harte Konkurrenz zu Android Wear Geräten? Nein, wahrscheinlich nicht. Das Display der Pebble ist pixeliger und weniger farbenfroh, als die der Konkurrenz. Der Prozessor ist langsamer, die technischen Möglichkeiten limitierter. Und doch hat die Pebble vollkommen berechtigt ihre Nische gefunden und bildet einen wichtigen Gegenpol zu den anderen Smartwatches, die es aktuell am Markt gibt.

Durch die verwendete Displaytechnologie ist sie der Konkurrenz in Sachen Akkulaufzeit um Längen voraus.

Am Ende des Tages ist die Pebble kein Taschencomputer, kein Multimedia-Erlebnis, noch nicht einmal ein Design-Highlight. Die Pebble schreibt das Wort ‚Watch‘ in Smartwatch ganz groß und interpretiert diesen Begriff aus einer Richtung, die mir weitaus sympathischer ist, als die Konkurrenzprodukte. Die Pebble ist in erster Linie eine überaus personalisierbare Uhr, die Benachrichtigungen vom handy entgegen nimmt und dem Nutzer zusätzlich seinen Kalender direkt auf Augenhöhe bringt. Sie bietet einen Wecker und eine Musiksteuerung. Alle anderen Funktionen sind nicht dauerhaft aktiv oder zwängen sich auf. Sie lassen sich beliebig durch Apps hinzufügen oder abschalten. Sie erfüllt einfach ihren Zweck, ohne zu versuchen, viel mehr zu sein, als sie eigentlich sein sollte.

Das gefällt mir und ich habe mich schon richtig an die Pebble gewöhnt. Ich, als jemand, der nur in ganz seltenen Fällen einmal eine Uhr getragen hat, habe nun seit zwei Tagen täglich viele Stunden eine Uhr am Arm und ich mag es.

Von mir eine klare Kaufempfehlung – trotz – oder gerade weil man für die 250€, die ab demnächst dafür fällig werden, auch viel mehr Smart und viel weniger Watch bekommen könnte. So hoch der Nerd-Faktor bei Smartwatches noch immer ist, die Pebble macht einfach Spaß.

Frank arbeitet als Frontend Web Entwickler in einem Startup und interessiert sich für alles, was mit Technik zutun hat. Design und Kochen sind weitere Leidenschaften. Das alles in Worte zu fassen, dazu braucht es eine Plattform. Willkommen auf SchiefGedacht!

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