Kultur, Palm Pre, Technik
Keine Kommentare(M)Ein Leben in der Cloud
Als MeKo Student sowieso, aber auch als halbwegs normaler Mensch ist das Internet natürlich ein nicht unbedeutender Teil meines Lebens geworden. Vor allem alles was so unter den Begriff “Web 2.0″ fällt ist zum Teil gar nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken. Ein wirklich guter Artikel von Sascha Lobo unter dem Titel “My work and life with the cloud” hat mich zum Nachdenken gebracht. Nachdenken darüber, wie tief diese Dienste wirklich schon in meinen Alltag eingearbeitet sind und was vielleicht auch für eine Gefahr darin steckt.
Schauen wir uns mal einen typischen Tag in meinem Leben an:
Mein Tag beginnt in der Regel gegen sieben Uhr morgens, wenn mein Wecker klingelt. Beim Frühstück geht der erste Blick auf das Handy. Mein Palm Pre ist ja gewissermaßen ein Cloud-Handy, denn viele Daten und Dienste werden in die Wolke ausgelagert, der Kalender zum Beispiel, denn alles was bei mir an Terminen anfällt merkt sich der Google Kalender. Dazu gehören aber nicht nur die Üblichen Termine. In insgesamt fünf verschiedenen Kalendern stehen sämtliche Geburtstage, Feiertage, Ferien und sogar der Wetterbericht für den jeweiligen Tag, alles automatisch synchronisiert wenn ich das WLAN aktiviere.
Die Zeit, die ich brauche um die Termine der nächsten Stunden und Tage zu erfassen, endet meist mit zwei kurzen Vibrationen des Palm, der in der Zwischenzeit meine EMails abgeholt hat. Die EMails liegen ja klassischerweise im Netz, eine bei Arcor, eine bei Google Mail, diverse Adressen von meinen Websites und eine von meiner Universität.
Dann geht es zur Uni, eine Strecke für die ich etwa 25 Minuten brauche, allerdings aus gutem Grund eine dreiviertel Stunde einplane. Dort angekommen, wie könnte es anders sein, wieder WLAN an. Dadurch bekomme ich zum einen nahezu ganztags meine EMails recht zeitnah und kann zum anderen auch schnell mal nach Informationen googlen wenn etwas unklar ist. Die Ergebnisse der Suche liegen natürlich meist bei Wikipedia, gewissermaßen die Bibliothek von Alexandria 2.0 mit Suchfunktion und Spenden-Button. Brauche ich etwas von meinen Studiendokumenten öffnet sich mittlerweile fast automatisch Dropbox, welches alle Dateien aus einem freigegebenen Ordner mit einem Online-Speicher synchronisiert. Der Client läuft neben dem Handy auch auf Netbook und Desktop PC, sodass ich nahezu immer und überall Zugriff auf meine relevanten Dateien habe.
Bevor die Seminare starten können muss ich mir natürlich noch einen Überblick verschaffen, was in der Welt so passiert. Dabei hilft mir NewsRoom, ein wirklich toller von sehr vielen RSS Readern, den es neben WebOS auch für Android, iPhone und WP7 gibt. Dieser beherbergt alle für mich relevanten Newsfeeds von Spiegel Online, der Zeit, DWDL, sowie von diversen Seiten rund um den Pre und einige Blogs. Um die schiere Informationsflut abzuschließen kommt dann noch Twitter ins Spiel. Früher habe ich dafür TweetMe genutzt, doch da das leider sehr langsam ist und auch scheinbar nicht mehr weiterentwickelt wird, bin ich nun zu Phnx umgestiegen.
Es vergeht der Tag mit Vorlesungen, Seminaren und dem Mittagessen in der Mensa und währenddessen blinkt mindestens einmal ein kleines, blaues Symbol mit einem “f” in meinem Benachrichtigungsbereich auf – Facebook – ein mittlerweile zentraler Punkt sozialen Miteinanders. Irgendjemand hat immer etwas zu sagen oder nutzt irgendeine der abertausend Apps, die ihm diese Funktion abnimmt und mich ihrerseits wenigstens darüber in Kenntnis setzt, dass der arme Kerl wirklich angefangen hat, Mafia Wars oder ähnliche Top Titel zu spielen – wichtige Informationen eben.
Nachmittags geht es nach Hause, noch einmal kurz in den Bus und EMails checken. Zuhause angekommen werden etwaige Hausaufgaben und ähnliches bearbeitet – am Netbook. Kaum eingeschaltet laufen wenigstens Outlook und Trillian. Outlook kümmert sich nicht nur um sämtliche EMail Konten sondern übernimmt auch die Aufgabe, sich um meine RSS Feeds zu kümmern und regelmäßig per TwInbox bei Twitter nach dem Rechten zu sehen. Natürlich synchronisiert es sich auch mit meinen Google Kalendern. Trillian bildet eine Art Kommunikatonszentrale und bündelt diverse Instant Messenger Konten von ICQ, MSN und Skype bis hin zu, natürlich, Facebook.
Für größere Aufgaben und Projekte nutze ich zur Planung ToDo-Listen. Ein sehr schönes Programm dafür ist Wunderlist, eine ToDo-Verwaltung, die sich zwischen verschiedenen Rechnern synchronisieren lässt. Leider gibt es dafür noch immer keinen Client für meinen Pre (6wunderkinder, wenn ihr das lesen solltet, da ist Nachholebedarf
), dafür aber für iPhone und Android.
Nebenbei läuft Musik, zum Großteil von der Festplatte, aber zuweilen höre ich auch neue und unbekannte Lieder über Grooveshark, das es, besonders für Freistunden und längere Wartezeiten sehr praktisch, auch als App für meinen Palm gibt. Ab und an begeistert mich ein Titel und dann geht es ab zu Youtube und nach weiteren Titeln der Interpreten suchen.
Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu, Zeit bei TvTv nach dem heutigen Abendprogramm im Fernsehen zu schauen. Nebenher aufen weiterhin Outlook und Trillian, zeitweise auch XChat, ein IRC Client, über den ich mit Bekannten von WebOS-Internals neue Entwicklungen diskutiere. Von Zeit zu Zeit pflege ich dann auch meine Blogs, wie jetzt gerade, und sobald ein Eintrag fertig ist, wird er natürlich über Twitter und Facebook bekannt gemacht, damit ihn noch viele andere Leute lesen, die die gleiche Netzaffinität an den Tag legen wie ich.
Schlecht ist eben, wenn etwas schief geht. Sollte Google eines Tages beschließen, seinen Dienst kurzerhand einzustellen, sehe ich relativ alt aus, denn dann ist meine ganze Terminplanung hinüber. Gut, mein Handy merkt sich die Einträge lokal, aber ärgerlich wäre es trotzdem. Datenschützern treibt es wahrscheinlich die Tränen in die Augen, wo persönliche Daten überall verstreut sind und ich kann es nicht einmal widerlegen, aber so ist wahrscheinlich die Zeit. Und das wird noch schlimmer, denke ich.
Für den Moment bin ich glücklich mit der Situation.
Und ihr? Welche Dienste nutzt ihr? Worauf könnt ihr nicht mehr verzichten?

