30. März 2011 - Allgemein, Kultur    2 Kommentare

Kunst

Kunst, was ist das eigentlich? Jeder spricht darüber, alle wissen Bescheid, aber keiner kann es wirklich definieren – vor allem heute.

Früher war Kunst mal etwas außergewöhnliches, besonderes. Wenn jemand etwas konnte, was niemand sonst konnte, dann war das Kunst. Besonders gut malen zum Beispiel. Rembrandt hat große Kunst mit atemberaubend realitätsnahen Bildern geschaffen. Michelangelo schuf geniale Skulpturen, was seiner Kunst entsprach.

Heute ist Kunst anders, einfacher, wie alles um uns herum. Kunst ist heute nicht mehr zwingen besser, toller oder herausragender, sie ist schlichtweg anders.

Wenn Yoko Ono für Japan singt und mitten im Lied anfängt schief und schrill zu stöhnen, dann ist das Kunst. Wenn so ein Tapferes Schneiderlein Unmengen von Stoff dafür verschwendet, den Bundestag oder andere Gebäude zu verhüllen, was jede Fassadenbaufirma auch kann, dann ist das auch Kunst. Selbst der Fahrer des Citroën Xara Picasso heute vor mir bewies einen hohen Grad an Kunstfertigkeit, als er eine besonders freie Interpretation der gebotenen 30km/h zur Schau stellte – ZiSCH…

Gut, Beifall gab es nicht so viel, hat ja keiner groß gesehen. Bis auf mich wohl nur zwei Polizisten am Straßenrand und die verstanden leider so gar nichts von Kunst. Nach einem kurzen Feuerwerk aus der Zauberradarpistole durfte er dann auch bei dem vor Freude mit den Armen wedelnden Polizisten am Straßenrand anhalten und ein Papier überreichen – war wohl ein Autogramm.

Bleiben wir aber mal in der Malerei. Kunst ist heute zum Beispiel auch, eine gigantische Leinwand mit einem Klecks roter Farbe und zwei blauen Strichen zu verschönern. Da stehen dann hoch-/eingebildete Menschen in den Galerien und grübeln beim Betrachten des Kunstwerks, ob der Maler nun seinen verscleppten Ödipuskomplex verarbeitet oder auf das Leid eines kleinen Naturstammes in Süd-Ost-Afrika hinweisen möchte. Eins von beidem muss wohl dahinter stecken, hat er doch sekundenlang mit der 3€-Acrylfarbe auf der 5€-Staffelei herumgekritzelt, um dann mehrere hundert Euro für das Bild zu bekommen, das macht er ja nicht ohne Grund und am Geld kann es nun wirklich nicht liegen, Künstler machen sich nichts aus Geld.

Ich finde das ganze faszinierend. Grundsätzlich kann ja nun jeder Idiot Kunst schaffen, er muss nur genügend andere Idioten finden, die seine Fabrikate auch als solche erkennen und ihn entsprechend zelebrieren. In diesem Sinne möchte ich hoffen, dass genügend Idioten diesen Blog lesen und mein folgendes Kunstwerk auch entsprechend würdigen:

Meine Damen und Herren, ich darf ihnen präsentieren: Meine Kunstpause.

2 Kommentare

  • Wie schön, endlich ein Thema, zu dem auch ich etwas beitragen kann.
    Ich weiß nicht genau, inwiefern du dich mit der Malerei bisher beschäftigt hast. Ich persönlich glaube, dass es einen enormen Unterschied zwischen “Malerei” und “Kunst” gibt. Prinzipiell bin ich deiner Meinung. Ich glaube nicht, dass Mondrian mehr künstlerisches Talent hat, als jemand, der nichts mit der Malerei am Hut hat.
    Dennoch muss er anscheinend etwas geschafft haben, das viele fasziniert.
    Aus diesem Grund habe ich versucht, eine Lösung für mich zu finden, mit der ich “leben” kann.
    Ein Beispiel: Ich liebe Dalí und Saudek, weil ich immer wieder erstaunt darüber bin, wie man Wirklichkeit so genial umsetzen kann. Trotzdem finde ich Aktionskunst (und was diese bei den Menschen auslöst) nicht weniger spannend. Vielleicht kennst du die Inszenierung vom Hund, der auf dem Marktplatz verbrannt werden sollte?
    Diese “Künstler” geben die Realität ebenfalls wieder – vielleicht provokant – aber dennoch auf ihre eigene Art. Und dein Beitrag ist der beste Beweis dafür, dass das Konzept aufgeht: Kunst ist nicht das Kunstwerk, Kunst wird zum Kunstwerk. Sie entsteht dann, wenn sich andere mit ihr beschäftigen. Durch Bewunderung oder durch Abneigung.
    Du hast das gemacht, was der Schöpfer des “Farbflecks” von dir erwartet hat: Du hast sein Kunstwerk erschaffen ;-)

    • Ich gehöre wohl zu den einfacher gestrickten Menschen, was Malerei angeht. Ich finde Bilder schön, oder eben nicht, mich amüsieren nur des öfteren die fachkundigen Ausstellungsbesucher. Das kann aber auch durchaus an meinem Nicht-fachkundig-sein liegen, das möchte ich gar nicht abstreiten.
      Was ich so schreibe ist ja auch absolut subjektiv und keinesfalls allgemeingültig (natürlich fühle ich durch Zustimmung sehr geehrt, wichtiger ist aber Diskussion ;) ) und für mich ist (Malerei-)Kunst eben etwas anderes.

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