Ein schiefer Blick auf eine schräge Welt

Monatsarchiv

August 2009

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Geschichten

Herr Lehmann – Episode 3

Er umarmte sie zum Abschied, legte seine Arme um sie, zog sie ganz fest an sich. Er wollte sie nicht wieder loslassen, nicht wieder verlieren, niemals mehr, wollte für immer bei ihr sein, dieser Moment sollte seine Ewigkeit werden… Und Herr Lehmann öffnete die Augen. Der Bus war noch kein Stück weiter gefahren, stand noch immer an dieser Ampel, irgendwo im Nirgendwo. Musik dröhnte aus den kleinen blauen Knöpfen in seinen Ohren, viel zu laut, viel zu dumpf, er liebte sie. Sein Blick strich über die Welt außerhalb, über die leeren Straßen, die dunklen Fenster, die dreckigen Bürgersteige. Der Regen hatte die Fensterscheibe anlaufen lassen und der graue Schleier ließ alles noch trostloser aussehen. Der rote Schein der Ampel verschwammm, brannte in seinen Augen. Ein Dröhnen riss ihn aus seinen Gedanken. Der Fahrer hatte den Motor wieder angelassen. Gelb. Ein seichtes Vibrieren durchzog den ganzen Bus und die einzelnen Sitze… Weiterlesen

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Geschichten

Herr Alfons / Der Sonderwunsch

Es war Abend geworden. Nacht. Dunkelheit umgab sie. Lediglich der Schein des großen, roten Neonlichts durchbrach die Düsterniss und tauchte den Tisch des kleinen Cafés in der Seitenstraße in einen roten Schein. Es hatte geregnet. Sehr viel. Kleine Pfützen auf dem Asphalt spiegelten die großen, leuchtenden Lettern. Herr Alfons hatte den ganzen Abend schon lange geplant. Wieder und wieder war er seine Liste durchgegangen, um auch ja nichts zu vergessen. Das war wichtig. Sehr wichtig. Er hatte nur diese eine Möglichkeit, nur diesen einen Versuch. Für einen zweiten hatte er kein Geld. Alles musste perfekt werden. Schon vor einigen Tagen hatte er Chantál angerufen um mit ihr dieses Treffen zu vereinbaren. Und schon am Telefon gefiel sie ihm. Trotz ihres noch recht jungen Alters hatte sie eine tiefe, sinnliche Stimme. Mag sein, dass sie diese möglicherweise bewusst verstellte, um Kunden zu gewinnen. Das “el Paradiso” war bekannt für Aufträge dieser… Weiterlesen

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Geschichten

Herr Lehmann – Episode 2

Langsam, ganz langsam verblassten die Bilder. Das Licht verlor an Helligkeit, und die Straße verschwand zunehmend im Nichts und mit ihr die Menschen… und sie. Zuerst war es dunkel um ihn herum. Nur sehr langsam öffnete Herr Lehmann seine Augen. Die Nacht war vorüber und mit ihr, alle Hoffnungen, die der Traum in ihm hervorgerufen hatte. Noch halb im Schlaf richtete er sich auf, rieb sich die Augen und ließ seinen Blick durch den kahlen, leeren Raum streifen. Für einen Moment blieb er an dem Fenster stehen, zumindest an der Stelle, an der er das Fenster vermutete. Tatsächlich sehen konnte Herr Lehmann nichts. Er war geblendet. Resigniert saß er da und wartete, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Warten. Egal auf was oder wen, meist sogar ohne ins von beidem. Warten nur des Wartens wegen. Es mögen nur Sekunden gewesen sein, doch für Herrn Lehmann dauerte es Stunden bis seine Augen wieder ihren… Weiterlesen

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